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Homo Faber

Autor: Maurice Schuhmann 

 

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Seit dem Altertum bewegt der Inzest Autoren der Weltliteratur. Schon in der griechischen Mythologie, dann in alttestamentarischen Texten und später in modernen Dramen wird er als literarisches Motiv ausgeschlachtet. Auf eine sehr sensible Art und Weise hat sich der Schweizer Dramatiker Max Frisch in seinem Roman „Homo Faber“ dem Thema gewidmet: Sein Protagonist Walter Faber ist ein moderner Ödipus. Sein Name, eine Anspielung auf den philosophischen Begriff des „homo faber“, die Titulierung eines schaffenden Menschen, umschreibt bereits sehr gut die Figur. Faber ist ein Technokrat, der sein Leben im Griff zu haben scheint, bis ihn allerdings eine Reihe von zufälligen Ereignissen mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Auf einer Schiffsreise lernt er die junge und lebensfrohe Elisabeth kennen, mit der er eine Liebesbeziehung eingeht – bis er erfährt, dass sie seine Tochter ist, die er nie vorher zu Gesicht bekam ...

 

 

Zahlreiche erotische Aspekte spielen in diese Geschichte hinein. Denn Sabeth, wie er seine Tochter nennt, ist eine klassische Lolita: einerseits schon eine junge Frau, andererseits zugleich noch ein Kind – einerseits die Verführerin, andererseits die vergötterte Unschuld. Dies Verknüpfung der Lolita- mit der Inzestthematik verstärkt den erotischen Reiz jenes 1957 veröffentlichten Romans, der Volker Schlöndorff 1991 als Vorlage diente.
Der Film hält sich sowohl in den Dialogen als auch im chronologischen Verlauf eng an die Vorlage; es gab einen intensiven Austausch zwischen Regisseur und Autor. Schlöndorff hat dabei mit der süßen, französischen Schauspielerin Julie Delpy in der Rolle der Sabeth einen guten Griff getan: Ihr scheint die Lolita-Rolle auf den Leib geschrieben zu sein. Die Darstellung von Sam Shepard als Faber lässt dagegen streckenweise zu Wünschen übrig; Shepard gelingt es zwar, den klaren Technokraten Faber darzustellen, wie er am Anfang der Geschichte eingeführt wird, aber nicht, die Wandlung des Protagonisten im Lauf des Films abzubilden. Daran krankt die Verfilmung leider ebenso wie am mangelnden Mut, dem Film einen eigenen, interpretativen Fokus zu geben. Schlöndorff zeigt den Stoff nur, ohne ihn tatsächlich in das andere Genre zu übersetzen.



Homo Faber (D 1991, R.: Volker Schlöndorff) – nach dem gleichnamigen Roman von Max Frisch.

 

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