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Einkaufsbummel, Der
Erschöpft saßen sie nach der anstrengenden Erziehungsarbeit im Wohnzimmer, Judith und Carolin nebeneinander mit geöffneten Knien auf dem Sofa, Simon in einem Sessel. Er schaute aus dem Fenster. »Gut, dass es nicht mehr schneit. Ihr müsst nämlich in die Stadt. Judith braucht etwas Hübsches für Drunter und vernünftige Schuhe.« – Was? Hinaus in die Stadt? Unter all die Leute dort? Und wieso ihr anstatt wir? Wollte er nicht mit? »Einkaufen ist nichts für mich«, murmelte er. »Schon gar nicht mit zwei Frauen.« Ein geheimnisvolles Lächeln huschte über seine Miene. »Aber keine Sorge, in gewisser Weise werde ich bei euch sein.« Er wies auf zwei Schatullen, die wie Schatzkästlein auf dem Tisch standen, und ahnungsvoll klappten Carolin und Judith die kleinen Deckel auf. – Liebeskugeln! Sie waren mit rotem Latex überzogen und lagen wie Preziosen auf blauem Samt. Vor Simons angeregten Blicken mussten sie die Kugeln in sich nehmen, drängten sie behutsam in ihren Schoß mit gesenkten Lidern, um sich die aufsteigende Erregung und die Scham nicht ansehen zu lassen.
Mahnend hob Simon den Zeigefinger. »Kommt bloß nicht auf die Idee, sie rauszunehmen! Auch wenn ich nicht bei euch bin, habt ihr meinen Befehlen zu gehorchen. Vergesst das nicht!«
»Ja, mein Herr …« Aufgewühlte Seufzer begleiteten ihre artige Antwort.
Sie wurden ins Bad geschickt, um sich hübsch zu machen, und Carolin erhielt die Anweisung, sich genauso anzuziehen, wie sie gestern gekommen war. – Frisch geschminkt und wohlduftend kehrten sie ins Wohnzimmer zurück, Judith in ihrem blauen Kleid, unter dem sie nichts anhatte, und Carolin im kleinen Schwarzen. Es würde ein kühler Einkaufsbummel werden. Simon reichte ihnen den kleinen Schlüssel, mit dem sich die Schlösser ihrer Hals- und Gelenkbänder öffnen ließen, und sie durften sie sich gegenseitig abnehmen. Ein Glück, dass er nicht von ihnen verlangte, sie auch in der Stadt zu tragen. Carolin dankte ihm innerlich. Sie wurden von ihm in die Diele geleitet und sie spürte seinen Blick prüfend auf sich ruhen. »Du hast alles von gestern an?« Ihr Nicken genügte ihm nicht. »Lass es sehen!« Auffordernd wies sein Finger nach oben. Zaghaft schob sie mit beiden Händen das Kleid hoch, enthüllte scheu den Saum der Strümpfe, die Strapsbänder und den nackten Schoß. Wie demütigend es doch war, sich auf diese Weise zu entblößen. Simon wandte sich an Judith. »Wenn ihr wiederkommt, bist du genauso angezogen wie sie und hast richtige Schuhe an!« Sein Wink erlaubte Carolin, das Kleid wieder sinken zu lassen, und sie strich es sorgsam glatt. Sie zogen die Mäntel an, die beide lang und schwarz waren, kaum voneinander zu unterscheiden, und Simon drückte Carolin einige Fünfzigeuroscheine in die Hand. »Das muss reichen.« Wieder hob sich sein Zeigefinger zu einer Ermahnung: »Vergesst nicht, was ich euch sagte. Und spätestens um siebzehn Uhr seid ihr wieder hier!«
Ich bin ein Schwein ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"
»Ja, mein Herr, ja …«
Mit behutsamen Schritten verließen sie das Haus; es fühlte sich an, als würden die Kugeln jeden Moment aus dem Schoß herausgleiten. Hätten sie doch wenigstens einen Slip anziehen dürfen, der ihnen ein bisschen Halt gegeben hätte … Zum Glück stand Carolins Auto ganz in der Nähe. Die Hauptverkehrsstraßen waren vom matschigen Schnee schon wieder geräumt und das Verkehrschaos hielt sich in Grenzen. Nach zwanzig Minuten hatten sie die Innenstadt erreicht und ein Parkhaus mit freien Plätzen gefunden. Tapfer wagten sie sich hinaus in die fremde Welt der Fußgängerzone, in der sich Scharen freier und selbstbestimmter Menschen drängelten. Oder trog der Schein? Gab es noch unter manch anderem Mantel Unerwartetes zu entdecken, oder wenn dort nicht, dann in mancher Phantasie? Doch war es egal, was die anderen Menschen dachten, fühlten, taten; es zählte nur das persönliche Sein, und wenn das nicht den Konventionen entsprach, na ja, dann war das nicht zu ändern … Judith kannte sich in der Stadt nicht aus, sie kam aus einer anderen Gegend, gut zweihundert Kilometer entfernt, erzählte sie. Zum ersten Mal hatten sie Gelegenheit, miteinander zu reden, und nutzten sie kaum. Fast war es, als sei ihr Leben außerhalb ihres Sklavinnendaseins völlig bedeutungslos geworden oder schon immer gewesen.
Carolin führte sie in das Kaufhaus, in dem damals, vor unendlich langer Zeit, wie ihr schien, alles begonnen hatte mit dem Kauf des roten Kleides. Die Abteilung mit der Oberbekleidung konnten sie sich sparen, ihr Weg führte zu den Dessous. Eine sehr beleibte Dame strich suchend umher, ein älterer kleiner Herr mich hochrotem Kopf beäugte verstohlen eine Schaufensterpuppe, der man ein Strapsset angezogen hatte, und eine mittelalterliche Verkäuferin schaute gelangweilt in weite Ferne. Judiths Auswahl war sehr begrenzt. Die meisten der angebotenen Sachen standen auf der Tabu-Liste. Gedankenverloren schaute sie auf die Reihe der Strapsgürtel, die auf Bügel aufgespannt waren und zu denen man sich hinunterbücken musste. Sie bückte sich aber nicht hinunter, sie stand nur da, als warte sie darauf, dass ihr einer der Gürtel in die Hand springen möge. Nachdenklich schaute Carolin sie an. »Du hast vermutlich noch nie Strapse angehabt?«
Judith schüttelte den Kopf. »Ist nicht mein Stil … Sieht irgendwie komisch aus.«
»Hm. Aber du weißt ja …« Ja, Judith wusste. Sie regte sich trotzdem nicht. Also bückte sich Carolin hinunter und fischte einen Strapsgürtel in Schwarz und mit Spitzenbesatz heraus, dazu noch einen in Rot. Aufgeregt schwangen die Kugeln in ihrem Schoß und vorsichtig richtete sie sich auf. Der kleine Herr beäugte nicht mehr die Schaufensterpuppe, sondern starrte zu ihnen herüber. Sinnlichkeit verklärte Judiths Gesicht und tief kamen ihre Atemzüge; sie selbst, so musste Carolin annehmen, trug die Gefühle nicht weniger deutlich zur Schau. »Gefallen sie dir?«, fragte sie. Judith zuckte mit den Achseln. Dann bückte sie sich selbst hinunter und kam seufzend wieder hoch, in der Hand hielt sie ein kobaltblaues Stück. »Wie wäre es damit?« Jetzt zuckte Carolin mit den Achseln. Judith ging zur Anprobe und teilte bei ihrer Rückkehr mit, dass sich der blaue und rote Gürtel nicht gut anfühlten. Der schwarze sei okay, den könne sie nehmen. Carolin atmete auf. In der Zwischenzeit waren die Füße wieder einigermaßen warm geworden und hatte sie noch etwas anderes gefunden: ein rotes strapsbesetztes und busenfreies Korselett mit schwarzem Spitzenbesatz. Kaum wagte sie es Judith zu zeigen, denn sicherlich erschien es dieser viel zu freizügig. Judith warf einen kurzen Blick darauf, sagte, dass es schön sei, probierte es an und kam mit einem Lächeln auf den Lippen zurück. »Es wird unserem Herrn sicherlich gefallen.« Der ältere Herr rempelte die beleibte Kundin an, die er völlig übersehen hatte. Strümpfe brauchten sie noch, welche in Größe drei. Sie suchten eine kleine Kollektion in Schwarz und Rot heraus, denn man konnte ja nicht wissen, welchen Strapazen sie ausgesetzt und wie lange sie halten würden, und brachten ihre Einkäufe zur Kasse. Judith sagte der Verkäuferin, dass sie ein Paar der schwarzen gleich anziehen wolle und auch das da – sie wies auf das Korselett. Ein bisschen färbten sich ihre Wangen rot. Der ältere Herr, der ihnen immer näher rückte, rang nach Luft. Während sich Judith wieder in die Umkleidekabine zurückzog, bezahlte Carolin die Rechnung. Mit einem stillen Lächeln kam Judith aus der Kabine zurück und verschwörerisch flüsterte sie in Carolins Ohr: »Es fühlt sich gut an. Es macht mich noch lüsterner, als ich ohnehin schon bin.«
Verständnisvoll lächelte Carolin sie an. Ja, es war nicht leicht, den Kugeln zu widerstehen … Die sie doch eigentlich hätten aus sich herausnehmen können. Simon war ja nicht da. Aber seinen Befehl missachten und ihn dann anlügen, wenn er sie später vielleicht danach fragte? Nein, das kam nicht ernsthaft in Betracht. Vielleicht würden sie nicht gut genug lügen können und von ihm entlarvt werden, was dann sicherlich eine schmerzhafte Bestrafung nach sich zöge. Der Bann seiner Macht funktionierte auch ohne seine Gegenwart. Und außerdem … sie zu tragen war sehr reizvoll … Wehmütig nahmen die Blicke des älteren Herrn von ihnen Abschied, als sie mit unvermeidlich wiegenden Hüften das Kaufhaus verließen. Zum Glück folgte er ihnen nicht. Die Kälte der Straße nahm sie in Empfang. Aber nicht lange, denn das nächste Schuhgeschäft war nicht weit. Fast hatten sie es erreicht, als Carolin einen Kollegen, einen ehemaligen, entdeckte. Glattmann. Schnell wandte sie den Blick wieder ab, aber zu spät. Er hatte sie gesehen und steuerte auf sie zu. »Hallo Carolin. Welch ein Zufall, dich hier zu treffen.« Sie rang sich ein Lächeln ab, von Freude über die Begegnung weit entfernt, denn viel hatte sie noch nie anfangen können mit diesem Mann, der Mitte dreißig war, etwas korpulent und ziemlich nichtssagend. Ausgerechnet jetzt drohten die Kugeln wieder aus ihr herauszugleiten, ließen sich nur mit konzentrierter Muskelanspannung im Schoß halten.
Forschend ruhte Glattmanns Blick aus blauen Augen auf ihr. »Du siehst so … irgendwie selig aus.« Um den Anschein von Gleichgültigkeit bemüht zuckte sie mit den Achseln. »Echt? Das liegt wohl am Wetter.« Irritiert schaute er in den grauen Himmel und sein Blick huschte zu Judith, die amüsiert in sich hineinlächelte. Seine Stimme wurde verschwörerisch. »Ich hörte, du hast gekündigt?« Ob er wohl über den Grund der Kündigung Bescheid wusste? Sie versuchte es nicht herauszufinden, sagte nur, dass es sich halt so ergeben habe und sie leider sehr in Eile seien. Zum Glück drängten die Kugeln nicht mehr ganz so ungestüm ins Freie. Ein unverbindliches Lächeln noch, dann trennten sich ihre Wege. Der Abschied fiel ihr nicht schwer.
»Wer war das?«, fragte Judith, als er im Strom der Passanten verschwand.
»Ein Kollege, ein ehemaliger.«
»Du hast gearbeitet?« Erstaunen sprach aus Judiths Frage, als halte sie das für eine völlig absurde Vorstellung.
»Ja, ich habe gearbeitet. – Aber komm jetzt, lass uns nach den Schuhen schauen.«
Im Schuhgeschäft war Judith wieder zickig. Skeptisch beäugte sie die eleganten schwarzen Schuhe mit den hohen dünnen Absätzen, die Carolin ihr zeigte, und abwehrend schüttelte sie den Kopf. »Solche Absätze bin ich nicht gewohnt. Damit kann ich nicht gehen.«
»Es wird dir aber nichts anderes übrigbleiben, als dich daran zu gewöhnen.« Carolin wunderte sich selbst über den entschlossenen Klang ihrer Stimme, der einer Stellvertreterin des Gebieters durchaus würdig war.
Überrascht schaute Judith auf, zog die Schuhe dann ohne weitere Widerrede an und machte einige Versuchsschritte im edlen Laden. Sie gelangen recht gut, allerdings perlte ein erregter Seufzer von ihren halb geöffneten Lippen. Wohin sie auch kamen, waren alle Blicke auf sie gerichtet. Judith akzeptierte die Wahl und freundete sich sogar noch mit einem weiteren Paar an, deren dunkles Rot zum neuen Korselett passte. Carolins Vorschlag, erst einmal die bequem Schuhe anzulassen und sie später im Auto zu wechseln, wurde abgelehnt. Nein, die schwarzen wollte Judith gleich anbehalten. Carolin erhob keinen weiteren Einwand und ignorierte beim Bezahlen den aufdringlich dreisten Blick des jungen smarten Verkäufers, der offenbar glaubte, unwiderstehlich zu sein.
Simons Geld war fast restlos ausgegeben. – Und nun? Noch ein halbes Stündchen in ein Café? Reizvoll wäre es schon … Anderseits aber … Sollten sie noch mehr Menschen ihre Lust vorzeigen und sich anstarren lassen wie Zirkuspferde? Nein, besser nicht. Konzentriert und bei jedem Schritt neu aufgewühlt stöckelte Judith neben Carolin her wie ein Storch zur Tiefgarage, in der das rettende Auto wartete.
»Einen solch aufreizenden Einkaufsbummel habe ich noch nie erlebt«, sagte sie, als sie seufzend auf den Beifahrersitz sank, und Carolin konnte ihr nur zustimmen.
Zu Hause angekommen half Simon ihnen aus dem Mantel und sie mussten auch gleich das Kleid ablegen. Er musterte Judith anerkennend. »Hübsch siehst du aus.« Mehr beschämt als geschmeichelt senkte sie die Lider. Im Wohnzimmer warteten die Ringe auf sie und sie legten sie sich gegenseitig an. Als das letzte der zierlichen Schlösser eingerastet war, befahl er ihnen, die Bereitschaftsstellung einzunehmen. Zaudernd verschränkten sie beide die Hände im Nacken und nahmen die Füße auseinander. Simons Hand legte sich an Judiths Schoß. Ihre Lippen öffneten sich und ein Seufzen stieg zur Decke. »Das ist der Herrengriff«, erklärte er. »Damit lässt sich der Erregungszustand der Sklavin prüfen.« Das Ergebnis der Prüfung war eindeutig: gierig rieb sich ihr Schoß an seiner Hand und halb ging sie in die Knie. Beim Blick in ihre funkelnden Augen fand Simon Einsehen in ihre Not. »Lass dich gehen. Es ist dir erlaubt.« Ihre Augen schlossen sich und sie aalte sich an seiner Hand, die eine Erlösung für sie war … Simon betrachtete sich das Schauspiel interessiert und wartete geduldig, bis sie verwirrt und verlegen aus dem Reich der Sinne zurückkehrte. Nun erst zog er die Hand zurück und fordernd klang seine Stimme. »Willst du dich nicht bedanken?«
Ein tiefer Atemzug, dann sprach sie es aus: »Danke, mein Herr … danke für Eure Güte …« Noch nie, so war zu vermuten, hatte ihr ein Mann gnädig das Erleben eines Orgasmus gestattet und sie sich artig dafür bedankt. – Und Carolin? Ihre stumme Bitte wurde nicht erhört. Als wäre sie nicht auch eine Frau mit drängenden Gefühlen … Nun endlich wurden sie beide aus ihrer demütigenden »Bereitschaftsstellung« erlöst und mussten ihm die restlichten Einkäufe vorzeigen, noch immer mit den Kugeln in sich drin. Simon zeigte sich zufrieden. »Dein Herr wird staunen, wenn er dich sieht.«
»Das fürchte ich auch«, murmelte Judith und verträumt glitten ihre Fingerspitzen über ihre zarten Strümpfe, ohne dass sie es bemerkte …
Copyright Jürgen B. Greulich 2010
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1 Kommentar
10.07.2010
20:01
Nucleus
Mein Eindruck von der Geschichte ist nicht bleibend. Ich vermute, das liegt an der auktorialen Erzählweise.
Leser heute: 1 - gesamt: 12750.




